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Abschnitt 76


--,,Ein paar Tage später wieder in ihrem gewohnten Teil des Waldes, saß sie hoch im Stamm von Eido und lauschte seinen Tönen, als sie plötzlich die Idee hatte, die ihr Leben so verändern würde. `Bin ich denn nicht eine Hexe. Eine richtige Hexe. Krutzitürknochmal was die anderen sagen. Und Hexen können doch zaubern und also kann auch ich es. Ich werde mir also eine Freundin zaubern. Eine Hexe, die niemals sagen wird, daß ich keine richtige Hexe sei!'

Sofort sprang sie auf, wollte los, wollte sofort zaubern. Aber wie sollte sie es tun. Dafür brauchte sie mächtige Sprüche, solche, die sie noch nie benutzt hatte, die sie noch nicht einmal kannte. Und überhaupt, sie war noch sehr ungeübt im Zaubern. Wie tausende Trompeten klang der Wind in Eidos Blattwerk, noch nie hatte sie sowas gehört, und es war wohl auch, das schwierigste, was Eido bisher geschafft hatte. Es war eine feurige Musik, eine die zum Aufbruch rief, die Hoffnung gab. Und sie sagte: `Ja, ich bin eine Hexe. Eine richtige Hexe. Egal was die anderen auch sagen. Und wie alle Hexen kann auch ich zaubern. Ich werde mir also eine Freundin zaubern. Eine Hexe, die niemals sagen wird, daß ich keine richtige Hexe sei!'

Wie sollte sie es aber anfangen, sich eine kleine Hexenfreundin zu schaffen? Sie brauchte nicht lange zu überlegen, denn sie wußte, wo sie suchen mußte. Unverzüglich ging sie in ihr Hexenstudierzimmer, dort mußte sie in den alten Büchern und Schriftrollen suchen, die so staubig waren, daß sie häufig husten mußte. Aber nirgendwo fand sie den Spruch, den sie brauchte. Wieder mußte sie zur Echohöhle auf dem höchsten der sieben Berge, dem Berg Blanagi-Sacho. Jestertom gab ihr eine alte Schriftrolle, die nicht aus Papier war mit einem Spruch in einer Sprache, die sie nicht kannte. `Mußt du alles verstehen, vertraue und singe ihn laut, an der Quelle des silbernen Flusses. Tust nicht wenn der Mond flutet, noch wenn er sich verbirgt!'

Noch während Eido in ihre gewohnte Umgebung zurücktrabte, studierte Sarah die alten Bücher, um zu sehen, was sie noch alles brauchte, um mit dem Zauber zu beginnen. Das wichtigste waren drei Zaubersteine, ein roter, ein blauer und ein gelber, die sie glücklicherweise schon besaß, denn sie hätte nicht gewußt, wo sie sie suchen könnte. Ihre Mutter hatte sie aus einem fernen Land mitgebracht, so fern, daß sie den Namen dieses Landes weder behalten noch aussprechen konnte. Aber sie wunderte sich, hatte sie je von einem mächtigen Zauber gehört, der nicht bei Vollmond geschah. Und die Quelle des silbernen Flusses, dort wo sich die Hexen fürchteten. Aber sie vertraute ihm.

Die Quelle, die Steine und der Spruch, was sonst mußte sie tun. Eido wußte Rat, wie so häufig, wenn sie nicht mehr weiter wußte. Wie die meisten Bäume dieses Waldes war er nämlich sehr weise.

`Weißt Du, das ist wie mit einem Kuchen. Der Teig und der heiße Ofen sind das wichtigste! Aber um ihn richtig fein zu machen, braucht man Schokolade, oder Früchte oder auch Sahne. Und immer gibt es eine ganz andere Sorte von Kuchen. Hör auf Dein Herz und gebe zu den Steinen, was immer du für richtig hälst.'

Also sammelte sie, was immer ihr gefiel: Eine schöne rote Blume, die sie inmitten von Nesseln gepflückt hatte. Aber sie nahm keine Nessel, wie es wohl ein richtige Hexe getan hätte. Noch ein paar ihrer liebsten Steine, wertvolle, aber keine Zaubersteine. Die schönsten Tannenzapfen, die sie finden konnte. Ein goldener Ring von ihrer Mutter.''

Hatten sie den Schluß überhaupt mitbekommen, dachte Vera, als sie merkte, das beide fest schliefen. Sie streichelte ihnen übers Haar, während sie jedem Kind einen Kuß auf die Stirn gab.


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