Procrastination

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Idole und abschreckende Beispiele

Um die Frage zu beantworten, wie es dazu kam, dass man sich zu einem Procrastinator entwickelte, muss man sich vor allem die Idole und auch die Anti-Idole, also die abschrekcenden Beispiele der Kindheit anschauen. Sie finden sich meist im nährern Umfeld: Eltern, Verwandte, Nachbarn, Lehrer/innen und Freunde.

Jemand hatte zum Beispiel einen Vater, der seine Pflicht oder Arbeit über alles stellte. Ein Vater, der immer überaus pünktlich und korrekt arbeitet niemand etwas verschiebt oder versäumt zu tun. Aber er vernachlässigt, wie es das Kind sieht, wegen dieser Tugend seine Frau und seine Kinder. Also fasst das Kind hauptsächlich unbewußt den Entschluss niemals so zu werden wie sein Vater. In Schule und Studium widmet er sich immer mehr seinen Freunden und Freundinnen als den dortigen Anforderungen. Er schafft die Ausbildung nur mit Mühe. Auch später im Beruf hat er große Probleme. Er weigert sich Überstunden zu machen und ist immer mit seiner Arbeit im Rückstand, aber er kümmert sich so um seine Familie, wie er es sich immer bei seinem Vater gewünscht hätte.

Jane B. Burka und Lenora M. Yuen stellen in ihrem Buch "Procrastination. why you do it, what to do about it." vier interessante Beispiele aus ihrer Praxis vor (Seite 85):
  • Ein Mann erinnerte sich daran, dass er von seinem überaus erfolgreichen Vater eingeschüchtert war. Ein Mann der die Armut überwunden hatte und sich zu einem preisgekrönten Wissenschaftler entwickelte. Er arbeitete 24 Stunden am Tag, ohne Unterbrechung, und nutzte sogar die Zeit auf der Toilette um wissenschaftliche Veröffenltichungen zu lesen. Der Vater wird mit den Worten zitiert: "Wenn du nichts Bedeutendes tust, vergeudest du den Platz auf dem du stehst!" Für seinen Sohn war er ein Sinnbild des Erfolgs. Der Sohn glaubte, seinen Vater sogar übertrumpfen zu müssen, und es war wenig verwunderlich, dass er sich aus Angst zu versagen zu einem Procrastinator entwickelte.
  • Bei einem anderen Beispiel handelt es sich um eine Restaurantleiterin, die aus Angst sich zu sehr von ihrer Familie zu entfernen, nicht traute voll zu entfalten, was sich in Verzögerungen und Verschleppungen der nötigen Arbeiten äußerte. Ihre Mutter, ihre Tanten und ihre Großmutter hatten nichts aus ihrem Leben gemacht, "nur Hausfrauen" und waren in ihren Augen Versager.
  • Als weiteres eindringliches Beispiel präsentieren Burka und Yuen einen Versicherungsvertreter, der aus Angst so zu enden, wie seine geschiedene Mutter nur jeweils ein oder zwei Tage pro Woche arbeitet, um sich dann für den Rest der Woche auszuruhen. Seine Mutter hatte vier Kinder zu versorgen und benötigte drei verschiedene Jobs, um finanziell über de Runden zu kommen. Sie hatte kaum Zeit für ihre Kinder, und wenn sie bei ihnen war, war sie erschöpft und überarbeitet. Irgendwann war die Anstrengung zu groß und sie erlitt einen Nervenzusammenbruch.
  • Ein Kind erlebt zwei extreme Lehrerinnen. Eine war überaus effizient. Sie erreichte immer die gesteckten Ziele. Aber sie wurde von dem Kind als humorlos und nicht erreichbar wahrgenommen. Von ihr ging weder Wärme noch Zuneigung aus. Im Gegensatz dazu war eine andere Lehrerin sehr lebensfroh und hatte einen spielerischen Umgang mit den Schülern und Schülerinnen. Aber sie war auch völlig unorgnaisiert und kämpfte immer mit Verspätungen und Verzögerungen. Für das Kind war die zweite Lehrerin diejenige, die es nachzuahmen galt.

© 2005 - 2010 Bernd Klein